Bei Windows 11 hört der Spaß auf

Ob Smart-Phone, Smart-TV, Smart-Watch, Smart-Home, PC oder KI – die Entwicklungen sind aus meiner Sicht überall die gleichen. Uns wird immer größerer Komfort versprochen. Computer übernehmen für uns das Denken, Konzerne übernehmen zunehmend die Kontrolle über unsere Geräte, immer mehr persönliche Daten werden von uns abgegriffen. Teilweise heimlich, aber zunehmend auch ganz unverhohlen. Wir haben uns Stück für Stück daran gewöhnt. Mit jeder neuen Version wird mit noch größerer Selbstverständlichkeit und Dreistigkeit vorgegangen.

Windows-11 verlangt bei der Erstinbetriebnahme die Registrierung eines Microsoft-Kontos. Ohne bestehende Internetverbindung scheitert schon die Inbetriebnahme des eigenen Rechners, sofern einem keine Tricks zur Umgehung der Zwangsregistrierung bekannt sind. Mit der Nutzung eines solchen Microsoft-Kontos unterwirft man sich allerdings den entsprechenden Nutzungsbedingungen, in welchen Microsoft Verhaltensregeln aufstellt, deren Nichteinhaltung zur Aussperrung vom eigenen Rechner und dank Microsoft-Verschlüsselung sogar zum Verlust seiner lokal gespeicherten Daten führen kann. Wer also glaubt die Kontrolle über seinen Windows-11-Rechner zu haben, der irrt!
Gemäß der Verhaltensregeln kann zu einer Sperrung z.B. schon das Generieren, Veröffentlichen oder Teilen von Nacktdarstellungen führen! Laut Microsoft werden zur Erkennung von Inhalten, die möglicherweise gegen deren Richtlinien verstoßen, u.a. automatisierte Technologien und geschulte menschliche Prüfende eingesetzt. Auch daraus ergibt sich eine Vorstellung, wie weit die Durchleuchtung der Nutzer geht. Die Registrierung mit einem Microsoft-Konto ist eben nicht einfach nur das Mitteilen irgendeiner E-Mail-Adresse an Microsoft, sondern die Einverständniserklärung in eine weitreichende Überwachung und Kontrolle durch den US-amerikanischen Mega-Konzern. Mehr noch: Sie gewähren Microsoft eine weltweite und gebührenfreie Lizenz für geistiges Eigentum zur Verwendung Ihrer Inhalte!

Ich erlebe, dass Kunden ihre Daten in der Microsoft-Cloud speichern, ohne sich darüber bewusst zu sein. Darunter auch personenbezogene Daten Dritter, wie z.B. Patientendaten. Wohl kaum zufällig wurde die Vornahme möglicher Datenschutzeinstellungen weiter verkompliziert. In Windows-11 wurden Sperren einprogrammiert, die die Lauffähigkeit auf älterer Hardware gezielt unterbinden. Zusammen mit der Beendigung der Bereitstellung von Sicherheitsupdates für Windows-10 sollen die Benutzer offenbar massenhaft praktisch gezwungen werden neue Rechner zu kaufen – egal, ob die intakte Hardware den eigenen Ansprüchen noch völlig genügt. Irrelevant ist ebenso, ob der Verbraucher ein Problem in der unnötigen Erzeugung einer Unmenge von Elektroschrott oder auch der entsprechenden Herstellung neuer Geräte mit den dafür notwendigen und teils problematischen Rohstoffen sieht. Offenbar glaubt Microsoft aufgrund seiner Monopolstellung darüber entscheiden zu können, wie lange der Verbraucher sein Gerät zu nutzen hat. Laut der Deutschen Umwelthilfe kann Microsofts Vorgehensweise schlagartig 700 Millionen Kilo Elektroschrott verursachen.

Mancher mag denken: „Alles nicht schön, aber ich brauche nun mal die Sicherheitsupdates, damit sich nicht z.B. ein Trojaner einschleicht, welcher etwa sämtliche meiner Benutzeraktivitäten inkl. eingegebenen Passwörtern oder Kreditkartendaten erfasst. Also muss ich ja auf Windows-11 umsteigen.“ Nun, ich empfehle die Erkundigung über die in Windows-11 integrierte KI und das darin enthaltene und von Microsoft als Komfortfunktion verkaufte „Recall“. Mit Hilfe von ständig im Hintergrund aufgenommenen und gespeicherten Bildschirmaufnahmen macht Recall nämlich genau das, wogegen man sich früher mal mit Hilfe von Virenschutzprogrammen zu schützen versucht hat. Aus meiner Sicht ist Windows nicht nur anfällig für Viren und Trojaner – Windows selbst ist der Trojaner.

Wenn Computer uns mehr schaden als nutzen, sehe ich keinen Sinn mehr in meiner Tätigkeit. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, keinen Support für Windows-11 mehr anzubieten.

Stattdessen empfehle ich den Umstieg auf ein Linux-Betriebssystem. Dieses ist schon lange nicht mehr nur das Betriebssystem für Computer-Enthusiasten, die sich auf der Kommandozeile zu Hause fühlen. Ja – es ist eine Umstellung. Ich habe allerdings bisher kein einziges Mal erlebt, dass Kunden (darunter auch hochbetagte), nachdem sie Linux ausprobiert haben, wieder zu Windows zurück gekehrt sind. Deren Rechner können weiter genutzt werden, verlangen keine Registrierung, telefonieren nicht nach Hause, laufen stabil, sicherer vor Viren, spionieren nicht aus und versuchen nichts aufzuschwatzen. Das alles übrigens lizenzkostenfrei.

Kunden, die vollständig bei Microsoft bleiben möchten, bitte ich um Verständnis und möchte ich herzlich für die vergangene Zusammenarbeit und das mir entgegengebrachte Vertrauen danken!

 


 

3 Kommentare

  • Boris Zoons sagt:

    Microsoft verlängert die Versorgung mit Sicherheitsupdates für Windows 10 nun auch für Privatkunden. Bezahlen lassen möchte sich Microsoft dabei wahlweise mit Geld oder mit Daten. Wer seinen Windows-Rechner in Microsofts Cloud sichert, soll die Updates kostenlos erhalten. Interessant, oder?

  • Boris Zoons sagt:

    Nun stellt Microsoft zumindest für europäische Privatkunden die Verlängerung der Updates anscheinend auch kostenlos zur Verfügung. Es wird „nur“ noch die Verknüpfung mit einem Microsoft-Konto verlangt. Sie holen raus, was rauszuholen ist. Bisher weigern sich wohl doch erfreulich viele User auf Win-11 umzusteigen. Wenn das so bleibt, wird sich Microsoft möglicherweise zu weiteren Lockerungen gezwungen sehen. Ich bin gespannt!

  • Boris Zoons sagt:

    In einer Windows-11 Testumgebung habe ich die Windows-Firewall so konfiguriert, dass keinerlei unerwünschte Microsoft-Dienste mehr Daten ins Internet senden. Ich war wirklich baff und konnte es zuerst gar nicht glauben, aber Windows hat sich tatsächlich nach einiger Zeit ohne einen Hinweis, geschweige denn nach meiner Zustimmung, Firewall-Regeln hinzugefügt, die den Datenverkehr für gewisse Microsoft-Dienste wieder zulassen – und zwar sowohl für ausgehenden als auch eingehenden Verkehr! Auch hier also Mechanismen, die man von üblen Computerviren kennt!

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